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Wie ich mit meiner Schattenseite umgehe – 5 Tipps

Bisher hat eher Prospi die persönlichen Artikel auf diesem Blog verfasst. Ich habe mich vorwiegend den Rezepten und Reviews gewidmet. Eigentlich hatte ich für heute geplant, euch eines von zwei ganz, ganz tollen neuen Kochbüchern in unserem Regal zu präsentieren. Doch ein anderes Thema, das mich gerade beschäftigt, passt wunderbar zum Start ins neue Jahr. Deshalb möchte ich mein Herz ein wenig öffnen und mit euch meine Gedanken dazu teilen. Das Kochbuch-Review wird in den nächsten Wochen folgen, keine Sorge. 😉 Heute geht es darum, wie ich mit meinem Schatten des Perfektionismus und des Selbstzweifels umgehe. Die 5 Tipps kannst du ganz allgemein auch auf andere persönliche Eigenschaften anwenden.

Schatten und Licht in der Persönlichkeit

In letzter Zeit habe ich mich mit der Theorie des persönlichen Schattens, die von Carl G. Jung geprägt wurde, auseinandergesetzt. Gemäss dieser Theorie gehört zu jeder Lichtseite eine Schattenseite. Wenn eine Person positive Eigenschaften besitzt, sind die gegensätzlichen Eigenschaften ebenfalls vorhanden. Oftmals sind sie unbewusst oder sie werden verdrängt und abgestritten. Es ist jedoch sehr hilfreich, seine Schatten zu kennen. Erst dann kann man bewusst mit ihnen umgehen. Der Schatten hindert einem nämlich sehr oft in kleineren und grösseren Aspekten des Lebens. Beispielsweise kann er bei Konflikten hervortreten und eine konstruktive Lösung erschweren. Er kann aber auch eine entscheidende Barriere bei der Realisierung einer Lebensvision darstellen. Besonders sichtbar wird er immer dann, wenn wir mit Herausforderungen konfrontiert sind. Die Existenz von Schatten muss jedoch nicht störend sein. Man kann stattdessen viel Positives daraus ziehen, wenn man bewusst damit umgeht.

Die Entdeckung meines persönlichen Schattens

Natürlich ist es für mich keine umwerfende Erkenntnis, dass ich perfektionistische Züge habe und manchmal an meinen Fähigkeiten zweifle. Aber dass mein grösster Schatten aus dem Perfektionismus und dem Selbstzweifel besteht, entdeckte ich vor ein paar Wochen. Diese Eigenschaften haben sich auf verschiedene Art in meinem Leben manifestiert. Ich habe erfolgreich schon vieles verändert, um besser mit ihnen umzugehen. Dennoch treten sie manchmal wieder hervor. Dass äussert sich dann in einem Kribbeln in der Brust und ständigen Gedanken, ob ich und meine Leistung gut genug sind. Vielleicht kennst du das.

5 Tipps, um mit dem Schatten zu wachsen

Meinen aktiven Umgang mit dem Perfektionismus und dem Selbstzweifel möchte ich mit euch teilen. Selbstverständlich gibt es einen engen Zusammenhang zwischen diesen zwei Eigenschaften. Wer zu hohe Ansprüche an sich stellt, wird zwangsläufig an sich selber zweifeln, da er diese niemals erreichen kann. Die heutige Welt ist stark von Perfektionismus geprägt. Ich denke, dass viele Leute ein bisschen davon abgewonnen haben. Vielleicht gehörst du aber auch zu den glücklichen Leuten, die genug selbstbewusst sind, um völlig gelassen mit Fehlern und Imperfektion umzugehen. Dann gratuliere ich dir und bitte dich, unten in den Kommentaren dein Geheimnis zu verraten ;). Weiterlesen kannst du trotzdem, denn auch auf andere Schattenseiten kannst du die folgenden Tipps anwenden. Ich nehme mir für das neue Jahr vor, diese 5 Dinge noch bewusster umzusetzen.

#1 Sehe das Positive

Jede Eigenschaft kann hilfreich und weniger hilfreich sein. Das gilt auch für unsere Schatten. Als negative Eigenschaften bezeichnen wir sie erst, wenn sie im Übermass vorhanden sind. Selbstzweifel und Perfektionismus werden in ihrer abgeschwächten Form zu konstruktiver Selbstkritik, Zielstrebigkeit und Disziplin. Darauf muss ich mich fokussieren, damit ich meinen Schatten voller Dankbarkeit annehmen kann.

Vielleicht ist dein Schatten deine Faulheit. Dann kannst du an dir selber schätzen, dass du fähig bist, Pausen zu machen und dir Ruhe zu gönnen. Manchmal manifestiert sich ein Schatten auch in Form einer Sucht. Es kann sein, dass du im Übermass Alkohol trinkst, exzessiv Medien und Spiele konsumierst, grosse Mengen Essen zu dir nimmst, viel Geld für den Einkauf von unnötigen Dingen ausgibst oder ein anderes Suchtverhalten aufweist, wenn dich das Leben überfordert. Auch in diesen Fällen kannst du dich für die gemässigtere und lichtvolle Variante des Verhaltens entscheiden. Du kannst ein Wein- oder Spirituosenliebhaber sein, der ab und zu voller Genuss sein Gläschen trinkt. Oder du kannst ganz bewusst zu eingeplanten Zeiten tolle Filme schauen und dir damit etwas Gutes tun. Und so weiter. Ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden.

#2 Schöpfe Kraft für die Lichtseite

Wie gesagt, gehören Schatten und Licht eng zusammen. In meinem Fall heisst das, dass ich auch sehr gelassen mit meinen Fehlern umgehen und selbstbewusst an mich glauben kann. Es braucht zwar Anstrengung und gelingt nicht automatisch, aber das Potential ist vorhanden. Dadurch, dass ich weiss, wie es sich anfühlt, nach dem irrealen Ziel der Perfektion zu streben und dabei unzufrieden mit der jetzigen Leistung zu sein, kann ich das gegenteilige Gefühl umso intensiver spüren. Ich kann völlig zufrieden mit mir selbst sein. Genau so wie ich jetzt bin. Ich kann aus den negativen Gefühlen die Kraft schöpfen, um die Dinge bewusst mit unglaublich viel Liebe und Freude zu machen, anstatt von Perfektionismus gestresst. Ich kann mich authentisch als überhaupt nicht perfekte Person zeigen (was ich mit dem Verfassen dieses Artikels gerade tue).

Ich nehme in diesem Zusammenhang gerne das Beispiel eines Origami-Meisters. Meiner Meinung nach bist du bestens geschaffen, wunderschöne Kraniche und andere Origamifiguren zu falten, falls du zu Unsorgfalt tendierst. Wenn du weisst, wie es sich anfühlt, ein Papier zu zerreissen, kannst du daraus lernen, wie sorgfältig man es halten und behandeln muss. Falls dein Schatten sich in Wutausbrüchen zeigt, kannst du umso friedlicher mit deinen Mitmenschen umgehen. Du weisst, dass ein friedlicher Umgang nicht selbstverständlich ist und was es dafür braucht. Somit kannst du auch anderen Leuten helfen, besser mit ihren Aggressionen umzugehen. Unsere Schatten machen uns zu Experten bezüglich der Lichtseite.

#3 Glaube an Veränderung

Wir können selber entscheiden, wie unsere Schatten unser Leben beeinflussen. Vielleicht waren sie in der Vergangenheit einmal hilfreich für uns. Deshalb halten wir unbewusst an ihnen fest. Ich kann mir gut vorstellen, dass mein Perfektionismus mir unter anderem geholfen hat, dem leistungsorientierten Bildungssystem standzuhalten und mich so vor der Enttäuschung einer schlechten Bewertung zu schützen. Jetzt brauche ich ihn aber nicht mehr. Ich weiss, dass ich ihn hinter mir lassen kann. Es ist möglich, dass ich in verschiedenen Bereichen aufhöre, an mir selbst zu zweifeln. Eine inspirierende Person, die zeigt, dass Veränderung möglich ist, ist mein Freund Charlie. Er hat sich vom schüchternen und magersüchtigen Jugendlichen in den selbstbewussten, authentischen Persönlichkeitsentwicklungs-Experten verwandelt. Hier sein berührendes Video dazu:

#4 Höre auf, andere zu kritisieren

Wir neigen oft dazu, andere Leute für die Eigenschaften zu kritisieren, die wir selbst gerne hätten. Falls du eine sehr verschlossene Person bist, findest du andere zu laut und selbstbezogen, während du sie unbewusst für ihre offene Art beneidest. Falls dein Schatten Geiz ist, kritisierst du vielleicht, dass die anderen verschwenderisch mit Geld umgehen. Und es sind meistens die besonders faulen Schüler, welche andere als Streber bezeichnen. Ich merke bei mir zum Beispiel, dass ich es immer noch ab und zu schwierig finde, wenn andere Leute nicht zuverlässig arbeiten. Ich reagiere darauf enttäuscht. Obwohl ich mir eigentlich fest vornehme, tolerant zu sein, kritisiere ich das manchmal. Es kommt vor, dass ich meine Kritik nicht einmal bemerke, bis mich jemand darauf hinweist. Diese Neigung habe ich natürlich, weil ich auch gerne einfach so mal einen Fehler machen würde. In meinem tiefen Inneren bewundere ich die Leute, die ohne den Anspruch nach Perfektionismus selbstbewusst arbeiten können.

#5 Schaffe dir ein Umfeld, in dem Schatten zugelassen sind

Schatten zu haben ist nicht nur okay, sondern absolut notwendig und wunderbar. Das sehen leider nicht alle Menschen ein. Deshalb verbergen wir unsere Schatten und sind folglich nicht fähig, Positives daraus zu ziehen. Ich finde es wichtig, dass ich mich mit Menschen umgebe, denen ich alle meine Selbstzweifel und tiefen Unsicherheiten zeigen kann, ohne dafür verurteilt zu werden. Diesen Menschen in meinem Leben bin ich unglaublich dankbar. Durch ihren Spiegel in den Gesprächen wurde mir bewusst, welches meine Schatten sind. So wurde mir auch klar, dass die Schatten mich nicht völlig vereinnahmen, sondern dass ich bewusst mit ihnen umgehen kann. Und durch die bedingungslose Liebe dieser Menschen habe ich gemerkt, dass mein Schatten gar nicht so schlimm ist. Ich muss ihn nicht mehr verstecken, was wie erwähnt, die Voraussetzung ist, um konstruktiv mit ihm umzugehen. Deshalb rate ich auch dir, dich gegenüber Menschen und Menschengruppen, bei denen du das nötige Vertrauen spürst, zu öffnen. Einfacher geht es mit ein bisschen Humor. 😉 Es wird dir helfen, mithilfe deiner Schatten Grossartiges zu bewirken!

Falls du an dieser Stelle noch immer am Lesen bist, danke ich dir von Herzen für deine Aufmerksamkeit.

Ich wünsche dir ein wunderschönes neues Jahr, in dem du dank deiner Schatten dein Licht zum Strahlen bringst. Auf ein unperfektes Jahr 2017!

Liebe Grüsse

Lisa

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7 Kommentare

  • Antworten Lea 3. Januar, 2017 at 21:00

    Liebe Lisa
    Vielen Dank für deinen persönlichen Artikel.
    Habe ihn mit grossem Interesse gelesen.
    Danke für die genialen Tipps!
    Liebe Grüsse Lea

    • Antworten Lisa Bischofberger 4. Januar, 2017 at 21:04

      Liebe Lea
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir der Artikel und die Tipps gefallen.
      Herzliche Grüsse, Lisa

  • Antworten Bianca 3. Januar, 2017 at 21:37

    wirklich schön!

  • Antworten Sandra Füllemann 4. Januar, 2017 at 20:04

    Liebe Lisa
    Ich finde, das ist ein grossartiger Artikel! Danke dass du so offen warst und ihn verfasst hast. Er passt momentan auch sehr gut zu meinen persönlichen Erfahrungen im Leben. Ich habe viele Schatten (Perfektionismus und Angst gehören dazu, das zeigt sich dann in verschiedenen Zwängen und manche würden mich als Controlfreak bezeichnen.) Naja, dafür habe ich auch viel Selbstdisziplin, bin gut organisiert und habe unendlich viel Verständnis für andere. Du siehst, in einigem konnte ich schon Positives erkennen 😉 Noch bereichender fand ich darum die Tatsache, dass man auch aus jedem Schatten ans Licht kann! Es ist umso schöner, einfach mal einen faulen Tag zu geniessen, an dem nichts gemacht werden muss, wenn ich mir bewusst bin, dass ich mir das jetzt gönne. Das ist schon mal ein kleiner Schritt, eine kleine Erkenntis. Ich hoffe viele weitere werden folgen, denn mit den dunkleren Schattenseiten muss ich mich wohl noch mehr auseinandersetzten, bis ich frei bin. Aber immerhin erlebe ich mehr Lichtblicke. Ich weiss, dass das möglich ist, weil ich ein Umfeld habe, dem ich meine Schatten zeigen darf. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
    Charlies Video ist sehr stark und inspirierend. Ich hoffe, er erreicht damit viele Menschen.
    Herzlich
    Sandra

    P.S. super Titelfoto!

    • Antworten Lisa Bischofberger 4. Januar, 2017 at 21:08

      Liebe Sandra
      Vielen Dank für dein liebes und ausführliches Feedback. Es freut mich sehr, dass dir der Artikel und Charlie’s Video ein paar Inspirationen im Umgang mit deinen Schatten gaben. Ja, das Positive zu sehen ist unglaublich wichtig und jeder Schritt dabei zählt. Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg!
      Herzlich, Lisa

  • Antworten Frieden schaffen durch Massage unserer künftigen Generationen? 28. März, 2018 at 08:35

    […] in verschiedener Hinsicht macht uns oft Angst. Viele von uns fühlen sich alleine und unverstanden. Ich kenne das aus meinem eigenen Leben. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass ich nur anerkennt werde, wenn ich perfekte Leistungen erbringe, […]

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