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Mit 7 Tipps pflanzlich (vegan) auf Reisen – Beispiel Japan und Portugal

Wie ihr vielleicht schon über Instagram erfahren habt, war ich soeben auf einer dreiwöchigen Reise in Japan. Da viele Leute mich bereits im Voraus und auch bei anderen Gelegenheiten gefragt haben, wie ich es dort mit dem Essen machen werde, ist mir spontan die Idee gekommen, dazu einen Artikel zu schreiben. Die japanische Küche ist nicht wirklich die typisch pflanzliche Küche. Dennoch hatte ich in Japan eine wunderbare Zeit und musste mir keine grossen Sorgen um das Essen machen, obwohl ich mich praktisch ausschliesslich von einheimischen Spezialitäten ernährte. Es kam so, wie ich es erwartete hatte.

In diesem Artikel werde ich auch noch die Erfahrungen von Portugal einfliessen lassen. Prospi und ich gehen jeden Sommer nach Portugal. Die landestypische Küche ist dort ebenfalls von Fleisch und Fisch geprägt. Mittlerweile ist das für uns kaum noch ein Hindernis, um nach unseren persönlichen ethischen Idealen zu leben und gleichzeitig die Ferien und die Zeit mit Verwandten und Freunden zu geniessen.

Hier sind also 7 Tipps, die mir helfen, wenn ich als pflanzliche Esserin auf Reisen bin:

1. Sich informieren:

In neuen Ländern ist man oft mit Speisen konfrontiert, die man noch nie gesehen hat. Wenn es dir so geht wie mir, dann möchtest du das unbedingt probieren – sofern es pflanzlichen Ursprungs ist. Ob es sich um tierische Produkte handelt ist nicht immer klar ersichtlich. Das bedeutet, dass du dich genau informieren musst, was es so gibt, bevor du deine Reise antrittst. Ich habe beispielsweise herausgefunden, dass Soba-Nudeln und Udon-Nudeln in Japan pflanzlich sind. Die Nudeln im Ramen enthalten jedoch häufig Ei. Sojasauce ist ebenfalls pflanzlich. Misosuppe enthält dagegen Fischbrühe. Es gibt verschiedene Onigiri, wovon die meisten mit Fisch gefüllt sind. Man findet sie jedoch auch mit Umeboshi (fermentierte Pflaumen), mit schwarzem Sesam und Adzukibohnen oder ohne Füllung. In Portugal gibt es einige traditionelle Brotsorten, die rein pflanzlich sind, wie z.B. die Broa de Milho (Maisbrot). Die Gemüsesuppe, die es in fast jedem Restaurant gibt, enthält nie Rahm oder Milchprodukte. Auch Fleisch enthält sie selten. Gebraten wird meistens mit Olivenöl, nicht mit Butter. Backwaren und andere Süssspeisen enthalten viel Ei und Rahm, aber in nahezu jedem Restaurant kann man verschiedenste frische Früchte und Fruchtsalat als Nachspeise bestellen. Nicht nur über die landestypischen Gerichte, sondern über die Speisekarten bestimmter Restaurants kann man sich gezielt informieren. Falls das Restaurant eine Webseite enthält, ist dort oft das Angebot aufgelistet. So konnte ich ausfindig machen, dass in einem japanischen Curryrestaurant das Gemüsecurry Kokosmilch als Basis hat oder welche Gerichte ohne tierische Produkte ich im traditionellen Soba-Restaurant Owariya bestellen konnte.

Soba-Nudeln mit Pilzen, Nori-Algen, Rettich, Sojasauce und Wasabi im Restaurant Owariya.

Onigiri mit Umeboshi.

2. Beilagen, Snacks und Getränke schätzen

Wie gesagt, enthalten die bekanntesten Hauptspeisen und Desserts in Portugal und Japan tierische Produkte. Doch auch in Ländern, in denen scheinbar Fleisch und Fisch dominiert, gibt es meist eine Vielzahl an pflanzlichen Leckereien. Da diese oft nicht so prominent beworben werden, kennt man sie nicht so gut. Mit Fokus auf Beilagen und auf Snacks wirst du bestimmt einiges finden. In Portugal gibt es zum Beispiel die besten Salzkartoffeln. Das Olivenöl ist sehr hochwertig. Und in jedem Restaurant wird Blattsalat mit richtig schmackhaften Tomaten und Zwiebeln (genannt Salada Mista) angeboten. Also schätze ich es ab und zu auch, einfach Salzkartoffeln mit Olivenöl, einen guten Salat und eine Gemüsesuppe zu geniessen. Eine einfache, aber leckere, gesunde und wohltuende Mahlzeit. Wenn es dann noch Reis, schwarze Bohnen, frisches Maisbrot, gekochtes Gemüse und Oliven dazu gibt umso besser. In Japan wird das Essen meist in mehreren Töpfchen serviert. Im Zentrum steht oft die Fleisch- oder Fischspeise und dazu gibt es Reis, Nudeln, Misosuppe, fermentiertes Gemüse, Algen, Pilze, Seidentofu, Sojasauce usw. Ich war mit meinem Bruder, der sich nicht pflanzlich ernährt, unterwegs. So war es natürlich sehr einfach. Ich konnte ihm jeweils die wenigen tierischen Produkte geben und enthielt von ihm noch ein bisschen mehr Pflanzliches. Mit diesen vielseitigen japanischen Beilagen war ich sehr zufrieden. Im Gegensatz zu Hauptmahlzeiten sind Snacks sehr oft pflanzlich. In Portugal kann man Oliven und Tremoços (eingelegte Lupinen) in jeder Bar bestellen. In Japan freute ich mich über Onigiri, geröstete schwarze Bohnen, Marroni und andere leckere kulinarische Entdeckungen. Regionale Früchte sind auch eine tolle Bereicherung. Ob alkoholisch oder nicht, freue ich mich jeweils über Getränke. In Portugal ist der frisch gepresste Orangensaft einfach top. Guten Portwein geniesse ich auch sehr. In Japan gibt es den besten Grüntee und von Sake (Reiswein) bin ich definitiv ein Fan.

Nicht nur Portwein, sondern auch Sangria gibts in Portugal.

Die besten (und günstigsten) Tomaten ebenfalls.

Pfirsiche frisch vom Baum in einem idyllischen Innenhof in Porto.

3. Nicht allzu strikt sein:

Das ist kein Muss, aber meiner Meinung nach sehr hilfreich. Es gibt viele Speisen, die grundsätzlich pflanzlich sind, aber beispielsweise in Kontakt mit tierischen Produkten kamen. So bestellen wir in Portugal oft unsere geliebte Gemüsesuppe oder Caldo Verde (Kohlsuppe). Hin und wieder befindet sich in der Suppe ein Stück Chorizo, weil sie traditionell so serviert wird. Ich handhabe es so, dass ich den Chorizo dann rausnehme und die Suppe trotzdem esse. In Japan war ich mir nicht bei jeder Sauce 100% sicher, ob da nicht ein bisschen Dashi (Fischbrühe) drin ist. Wenn es nicht nach Fisch geschmeckt hat, habe ich die Saucen meistens doch gegessen. Bei der Misosuppe, die Dashi enthält, habe ich jeweils die Einlagen wie Pilze, Gemüse und Tofu gegessen und den flüssigen Teil der Suppe nicht.

4. Alternative Restaurants entdecken:

Die Szene von veganen, vegetarischen und oft auch biologischen Restaurants im Ausland zu entdecken kann richtig viel Spass machen. Ich bin gerne unter Gleichgesinnten. Das inspiriert mich und bringt mich weiter im Leben. Ein Grund, weshalb ich das Reisen liebe, ist die Begegnung mit anderen Menschen und deren Philosophien und Lebensarten. Menschen, die versuchen, ein gutes Leben zu führen, der Erde zu dienen. Oft haben sie andere Motivationen und Weltansichten, bewegen sich aber in dieselbe Richtung, wie ich es tue. So kann ich von ihnen lernen. Ausserdem ermutigt es mich, zu wissen, dass weit entfernt von meinem Wohnort, andere Menschen sich Gedanken machen und einsetzen für mehr Harmonie. Eine mittlerweile sehr grosse und geniale Plattform, um vegane und vegetarische Restaurants zu finden, ist Happy Cow. Über Google findet man oft auch derartige Lokale und Tipps. Und auch YouTube-Videos können sehr behilflich sein. In Japan habe ich darauf geachtet, dass ich die veganen Restaurants besuche, die auch landestypische Küche anbieten. Zum Beispiel ist die traditionelle Tempelküche rein pflanzlich. In Tokyo seeehr empfehlenswert ist das Brown Rice. Leider habe ich kein Foto vom Essen, da meine Kamera dort gerade ausgestiegen ist. In Kyoto war das Biotei ein Highlight. In Porto kann ich das Cultura dos Sabores sehr empfehlen. Und in Lissabon ist das Jardim dos Sentidos richtig lecker und gemütlich.

Leckeres und authentisches Essen in Japans vegetarischen und veganen Restaurants.

5. Selber kochen:

Ab und zu die pflanzlichen Gerichte in einem «normalen» Restaurant, ab und zu ein Mix aus Beilagen und ab und zu Restaurants mit explizit veganem Angebot gibt bereits eine gute Varietät. Ich empfehle, falls das in deiner Unterkunft möglich ist, auch teilweise selber zu kochen. Mir macht es total viel Spass in Märkten und Supermärkten nach lokalen Produkten zu stöbern und daraus selbst etwas zu zaubern. Meistens gibt es total spannende Gemüsesorten in anderen Ländern. In Japan kaufte ich gerne Nudeln, eingelegte marinierte Hülsenfrüchte, besondere Pilzsorten, geröstete Nüsse, traditionelle Saucen und Gemüse wie Mini-Auberginen und vieles mehr, um mir mit wenig Aufwand ein leckeres Essen zuzubereiten. In Portugal lieben wir es, die qualitativen Produkte, insbesondere auch auf Biomärkten oder in Reformhäusern, einzukaufen und dann ein Abendessen zu kochen, das am Strand bei Sonnenuntergang oder einer gemütlichen Terrasse mit einem Glas Wein und guten Gesprächen genossen wird.

So habe ich in Okinawa gekocht. Im Zentrum standen Sobanudeln und Vollreis. Dazu gab es lokale Gemüse, Pilze, Algen und Saucen.

Und hier ein kleines Picknick in Portugal am Strand. Unter anderem gab es Augenbohnen-Salat und grüne Tomaten.

6. Freundlich und frühzeitig erklären:

Dies gilt insbesondere bei Einladungen. Man ist ja nicht immer auf sich selbst gestellt, sondern es kommt auch vor, dass eine einheimische Person einen zum Essen einlädt. Meine Erfahrung ist, dass es sich dann lohnt, einige Tage (falls möglich) im Voraus zu sagen, dass man kein Fleisch/Fisch/Milchprodukte/Eier isst. Ich sage dann aber immer, dass die Person nicht extra etwas total Spezielles kochen müsse und betone, dass ich zufrieden wäre, wenn es ein bisschen Salat und Reis oder Kartoffeln für mich gibt. Natürlich solltest du immer in einem freundlichen Ton sprechen dich nicht über die andere Person stellen. Weshalb du dich so ernährst, sollte nicht zum Thema werden. Ausser du wirst explizit danach gefragt. Es ist schon vorgekommen, dass ich dann ganz vegan bekocht wurde und die Gastgeberin sich richtig freute, mal etwas Neues auszuprobieren. An Familienfesten in Restaurants in Portugal, äussere ich meinen Wunsch oft auf dieselbe Art. Ich sage, was ich nicht esse und frage, ob es da etwas gibt. Letztes Mal erhielten Prospi und ich Reis mit einem leckeren Bohnen-Gemüse-Eintopf. Ich war überrascht, dass der Kellner sofort meinte, dass das absolut einfach sei und die Idee mit dem Eintopf hatte. Fragen lohnt sich also definitiv.

Frische lokale Früchte kann man sich auch auf Besuch servieren lassen.

7. Notfallsnacks:

Es ist gut, zur Sicherheit immer etwas zu essen dabei zu haben. Falls es mal wirklich nichts Pflanzliches geben sollte, wirst du froh sein. Ich habe gerne Nüsse, Dörrfrüchte, Riegel und Cracker in der Tasche. Das ist alles sehr lang haltbar. Meistens benötige ich es nicht und kann es dann problemlos wieder nach Hause mitbringen oder auf der Heimfahrt essen.

Ah und noch etwas: Wenn ein dummer Spruch kommt, einfach mitlachen und drüberstehen – so wie immer. 😉

Ich hoffe diese Tipps waren nützlich für dich. Das ist der Weg, der für mich gut klappt. Ich bin sicher, du wirst deinen Weg auch finden, um das Reisen absolut zu geniessen, ohne dir zu viele Gedanken ums Essen machen zu müssen!

Ob du dich pflanzlich ernährst oder nicht, hast du noch weitere Tipps und Ideen? Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Schreibs unten in die Kommentare. Ich bin sehr gespannt!!

Selbstverständlich beantworte ich dir gerne deine weiteren Fragen zum Thema.

Herzliche Grüsse

Lisa

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2 Kommentare

  • Antworten hippiemeitli 16. August, 2016 at 21:32

    Ich fand das Reisen und vegan essen sehr schwer, sodass ich nun auswärts öfters ein Sandwich mit Käse kaufe statt zu hungern. Ich habe mich entschieden zukünftig mit einem Transporter zu reisen, der zu einem Wohnmobil umgebaut ist, so habe ich Küche und Bett immer dabei.
    Leider ist es weniger nachhaltig wie Zugfahren.
    HappyCow fand ich auch hilfreich.
    LG

    • Antworten Lisa Bischofberger 17. August, 2016 at 08:06

      Danke für deinen Kommentar. 🙂 Ja, es ist nicht immer einfach… Wo warst du denn auf Reisen? Warst du immer mit dem Zug unterwegs? Wohnmobil stelle ich mir auch sehr praktisch vor. Liebe Grüsse, Lisa

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