Geschichten

Der Weg zum eigenen ökologischen Haus – der Traum persönlicher Freiheit

Die nächsten Tage und Wochen veranstalten wir mit to Real Life in Zürich, Bern und St. Gallen exklusive 4-Gang Gourmet Dinner und grosse Vegan Brunch-Events. Wie immer ist alles pflanzlich, biologisch und vollwertig. Ausserdem treten wir an der diesjährigen Veganmania in Gossau (St. Gallen, Schweiz) mit einer Dessertkochshow an. Wir freuen uns schon sehr auf diese spannende Zeit und über eure Besuche. Bis dahin möchten wir mit euch unseren Weg zum Bau eines eigenen ökologischen Hauses teilen.

Der Traum der absoluten persönlichen Freiheit. Wie die Vögel von Tag zu Tag leben, dich in die Luft schwingen und von der Welt alles dargeboten bekommen, was du zum Leben brauchst. Essen, Trinken, Gefährten und die Freuden des Lebens. Trotz ihrer vergleichsweise einfachen Lebensweise fehlt es den Vögeln an nichts. Sie sind unabhängig von sozialem Druck und vom System, frei vom Hamsterrad.

Wenn dies die Vögel können, weshalb sollten wir es nicht können? Falls du den Traum der persönlichen Freiheit mit mir teilst, ist dieser Artikel für dich.

Hier erfährst du die Schritte und Komponenten für den Bau eines ökologischen Hauses und wie wir planen, dies in unserem Leben umzusetzen.

Lisa und ich planen in Angola, in der tropischen Provinz Uíge, auf unserem Land den Bau eines ökologischen Hauses, auf dem wir uns, unserer Familie, unseren Freunden, sowie unseren Unterstützern einen zeitweise systemunabhängigen Rückzugsort als Selbstversorger bieten.

In den letzten Jahren haben wir verschiedene Kurse und Inspirationsquellen zum Bau eines ökologischen Hauses besucht. Dazu zählten die Mitarbeit am Bau eines Earth-Ships, eines ökologischen Hauses mit recyclierten Materialien, in Seattle (Washington, USA), der Besuch des Grundstücks einer in der Natur lebenden Frau in der Nähe von Coimbra (Portugal), der Besuch von Food-Forests, kultivierte wilde Wälder/Gärten mit frei konsumierbaren pflanzlichen Lebensmitteln, der Besuch grüner Konferenzen zu alternativen Lebensweisen und vieles mehr.

Um das komplexe Thema herunterzubrechen, ist der Artikel in die Teile Prinzipien, Essen, Energie, Komfort und nächste Schritte aufgeteilt.

Prinzipien

Der Bau des ökologischen Hauses und des umliegenden Landes zur Selbstversorgung Verfolgt die nachhaltigen Prinzipien der Permakultur. Kurz zusammengefasst geht es bei der Permakultur darum, Kreisläufe zu schliessen und Paradiese zu schaffen. Dies beinhaltet die Beobachtung und Integration des bestehenden Ökosystems, die Arbeit mit selbstregulierenden Systemen der Natur, der Einsatz erneuerbarer Energien und das Verzichten auf Abfälle durch das Schliessen der Kreisläufe.

In unserem Fall heisst das, dass wir vor Ort in Angola erstmal zuhören bevor wir zu Arbeiten beginnen und vom alten Wissen der in dieser Provinz lebenden Bevölkerung lernen wie der ursprüngliche Umgang mit dem Land war und aus welchen Materialien sie Wetterbeständig ihre Häuser bauten. Wir möchten auch vom Boden lernen auf dem wir bauen und erkennen, welche Materialien wir zur Verfügung haben und welche bereits bestehenden natürlichen Ressourcen und Wetterverhältnisse wir in unser System integrieren können.

Essen

Zu einem Paradies gehört, dass wir Essen im Überfluss haben. Eine Grundlage dafür ist fliessendes Wasser. Zentral ist daher die Frage, wo und wie das Wasser fliesst, wie wir Regenwasser für uns nutzen können und wie wir Wasser für trockene Zeiten für unseren eigenen Bedarf sowie für die auf unserem Feld lebenden Pflanzen und Tiere speichern und in unserem System verteilen können. Es werden mehrere Wasserbehälter benötigt um auch für längere Trockenzeiten genug Wasser zur Verfügung zu haben.

Das Essen für die Bewohner des Öko-Hauses soll hauptsächlich aus dem naheliegendem Food Forest kommen. Der Food Forest gleicht einem selbstkultivierten Wald, der voll von essbaren Pflanzen ist. Dazu gehören Fruchtbäume und –sträucher für Beeren, Bananen und Granatäpfel, verschiedene Gemüsesorten wie Kohl, Maniok und Bohnen, sowie Kräuter, Nüsse und Samen. Er ist so gestaltet, dass nicht das ganze Jahr hindurch jemand anwesend sein muss, um den Garten zu bewirtschaften, sondern dass die Pflanzen wie in einem Wald von alleine wachsen mit der Besonderheit, dass sie durch uns ausgewählt wurden und für Menschen essbar sind. Zum Food Forest soll es nahe dem Haus auch gemischte Gemüsebeete geben.

Tierischer Dünger ist für das Kultivieren von Pflanzen sehr effektiv, weshalb auf dem Land ein Lebensraum für freilebende Tiere, deren Ausscheidungsprodukte im Sinne geschlossener Kreisläufe als Dünger für die Pflanzen genutzt wird, geschaffen werden soll. Auch Fische in Fischponds soll es geben. Fischponds gleichen einem Teich. Durch die Präsenz der Fische wird nährwertreiches Wasser für die Pflanzen gewonnen.


Was für den Bereich Food ebenfalls nicht fehlen darf, ist eine Pilzfarm. Anfang Jahr haben wir an einem Workshop in Portugal gelernt, wie man ganz einfach selbst Pilze züchten kann. Frische Pilze haben ein unglaubliches Nährwertprofil und wachsen, wenn man sie an einem Baumstamm oder in einer Pilzbox (wie im Bild oben) kultiviert, im Überfluss. Für die Pilze, wie auch generell für das geerntete Essen, wird ein kühler dunkler Lagerraum nötig sein, um das Essen für eine längere Zeit haltbar und schmackhaft zu behalten.

Um auch von abgefülltem Flaschenwasser als Trinkwasser unabhängig zu sein, wird ein Klärsystem im Haus integriert.

Energie

In unserer Gesellschaft brauchen wir für fast alles in unserem Alltag täglich Elektrizität. Wir wollen in unserem Öko-Haus unabhängig vom Elektrizitätssystem privater und öffentlicher Konzerne sein und auch in dieser Hinsicht von unseren eigenen Ressourcen leben können. In Mitteleuropa wird etwas mehr als die Hälfte der Energie zum Heizen und für warmes Wasser genutzt. Das Heizen wird in Angola wegfallen und durch den Bau eines natürlichen Lüftungssystems zur Kühlung des Hauses ersetzt.

Nebst der Warmwasseraufbereitung benötigen wir Energie für Wasserpumpen zum Verteilen des Wassers auf dem Land und im Haus, für Lampen für die Innenbeleuchtung in der Nacht, für eine energieeffiziente Waschmaschine, für das Aufladen von Handys und Laptops und für die Hitze beim Kochen.

Wand aus rezykliertem Material in Seattle.

Der grösste Teil des Stroms wird vermutlich wird vermutlich von Solarpanels kommen, welche eine zentrale Batterie den Tag hindurch mit Strom aufladen. Bei gutem Wetter wird Wasser in dunklen Schläuchen zum Duschen direkt durch die Sonne aufgewärmt. In windigen Tagen sorgen Windturbinen für zusätzlichen Strom und an regnerischen Tagen wird durch Wasserturbinen zusätzlicher Strom erzeugt. Zum Kochen wird Feuerholz und Kohle genutzt, welches wir von unserem eigenen nahegelegenen Hof erhalten. An Tagen, an denen die Sonne nicht scheint, wird auch Holz und Kohle genutzt, ummit einem Boiler Warmwasser für die Dusche anzuheizen.

Dieses eigene Energiesystem wird vermutlich nicht die gleiche Leistung erbringen wie wir es uns in unserem Schweizer Haushalt gewohnt sind, um beispielsweise mit einem elektrischen Herd und Ofen zu kochen und einen Wasserkocher zu verwenden. Die essentiellen Geräte, die unser Leben und unsere Arbeit vereinfachen, wollen wir jedoch doch nicht missen, was dank unabhängiger erneuerbarer Energien möglich ist.

Komfort

Trotz abgeschiedenem Leben in der Natur wollen wir auf ein Minimum an Komfort für die Lebensqualität nicht verzichten. Dazu gehört für uns auf jeden Fall eine komfortable geruchfreie Sitztoilette. Dies ist durch ein Wurmkompostsystem möglich, dass wir in Wendy’s Öko-Haus in Portugal kennengelernt haben. Die Exkremente landen in einen Wurmkompost, der ausserhalb der Toilette auf dem Feld situiert ist. Dieser Behälter ist luftdicht verschlossen und mit Würmern gefüllt, welche den Inhalt in Dünger umwandeln. Dieser Dünger kommt den Gemüsefeldern zu Gute. Das im Teil Energie beschriebene warme Wasser ist ebenfalls ein typischer Komfortfaktor und soll in einer Dusche mit Badewanne genutzt werden können.

Zentral in unserem Konzept ist, dass die Bewohner des Öko-Hauses vom erbauten System leben können ohne nachträglich viel Arbeit in den Erhalt zu investieren. Freizeit ist deshalb ebenfalls ein grosser Komfortfaktor. Es soll genug Platz geben, um mehrere Personen zu beherbergen. Zum Inventar gehörende Instrumente für den kreativen Ausdruck und eine Feuerstelle für gemütliche Abende dürfen ebenfalls nicht fehlen. Um den guten Zutaten des Hauses gerecht zu werden soll ebenfalls eine gut eingerichtete Küche mit manuellen Küchengeräten integriert werden.

Kontakt mit der Aussenwelt und mit dem Internet kann durch das dort erhältliche Mobilfunknetz aufgenommen werden.

Nächste Schritte

Das Buch „Inspiring Stories from Ecovillages: Experiences with Ecological Technologies and Practics“, welches viele illustrierte Beispiele zu ökologischen Häusern und Wohnsiedlungen hat und gratis unter www.balticecovillages.eu heruntergeladen werden kann, gibt uns anhand der „Sketch and Match“-Methode die Schritte, die wir an einem eintägigen Workshop für die Planung unseres eigenen Öko-Hauses nehmen können, vor.

  1. Die Mitbenutzer des Öko-Hauses und Fachexperten sammeln ihre Visionen, Wünsche, Fähigkeiten und Ressourcen.
  2. Als Resultat der Diskussionen des Punkt 1 werden die Stärken des Öko-Haus Projekts zusammengetragen.
  3. Auf einer Landkarte werden alle erwähnten Orte und Objekte eingetragen.
  4. Die Machbarkeit der zusammengetragenen Punkte wird geprüft und das Terrain wird besucht um die Ortschaften der Planung abzuschätzen.
  5. Nach dem Besuch des Terrains werden die umzusetzenden Optionen aufgelistet.
  6. Die aus den Schritten gesammelten Erkentnisse werden zusammengefasst und mit Fotos und Skizzen dokumentiert. Das Konzept wird allen Teilnehmenden zur Ergänzung und Weiterbearbeitung zur Verfügung gestellt.
  7. Anhand eines Umsetzungsplanes wird die Arbeit am Öko-Haus begonnen.

Träumst du ebenfalls davon, unabhängig und naturverbunden zu leben?

Wir freuen uns darauf, an unserem Traum weiter zu arbeiten und lassen dich durch die Dokumentation unseres Fortschritts auf unseren Social Media Kanälen und auf unserem Blog gerne daran teilhaben. 🙂

Beste Grüsse
Prosper

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