Tipps

6 Lösungsansätze zum nachhaltigen Umgang mit Geld

Was hat der gesetzliche Mindestlohn von Herr Müller mit der Waffe eines Kindersoldates in Chhattisgarh in Indien zu tun? Das Geld auf dem Lohnkonto von Herr Müller wird von den Banken indirekt dafür genutzt, weltweit in die lukrative Rüstungsindustrie zu investieren. Ob dies im Interesse von Herr Müller ist, sei dahingestellt.

Was auf der Welt geschieht, wird in vielen Fällen über unseren Köpfen entschieden. Dies muss jedoch nicht so sein. Mit einem nachhaltigen Umgang mit unserem Geld, egal ob wir viel oder wenig davon haben, können wir einen grossen Teil zu den Entscheidungen, die die Welt bewegen, beitragen und sie aktiv mitgestalten.

In diesem Artikel findest du konkrete Tipps und Vorschläge zu einem nachhaltigen Umgang mit Geld.

Es beginnt mit deinem Bankkonto

Bei den meisten von uns beginnt der persönliche Geldfluss auf unserem Bankkonto. Das Geld wird zuerst einige Zeit auf dem Konto geparkt und erst später weitergeschickt. Sei es an andere Parteien und deren Bankkonten, an unser Sparkonto oder über uns oder über unseren Arbeitgeber an unsere Pensionskasse. Das auf unserem Bankkonto geparkte Geld gilt der Bank als Sicherheit, da es ihr ermöglicht, Kredite zu vergeben. Das Geld existiert nur virtuell. Die Banken erschaffen mit der Kreditvergabe somit Geld aus dem Nichts.
Vereinfacht gesagt: Hast du CHF 1000.- auf deinem Konto, kann deine Bank aus dem Nichts Geld erschaffen und einen Kredit von CHF 9000.- an eine andere Person vergeben, indem sie rein elektronisch den Geldbetrag auf seinem Konto erhöht. Man kann davon ausgehen, dass die benötigte Sicherheit für eine Kreditvergabe ungefähr einen Neuntel des Kredits entspricht, da zirka 90% des gesamten Geldes sogenanntes Buchgeld, also virtuelles Geld, das nie jemand einbezahlt hat, ist. Das von den Banken investierte Geld setzt reine Gewinnmaximierung in den Vordergrund und wird zur Förderung der Geschäfte fragwürdiger Konzerne wie zum Beispiel zur Förderung der kriegstreibenden Waffenproduktion in der Rüstungsindustrie eingesetzt.

Die Organisation „Don’t Bank on The Bomb“ zeigt die Zusammenhänge zwischen Banken weltweit und Nuklearwaffen produzierenden Firmen in ihrem im Oktober 2015 erschienen Bericht klar auf. Die Schweizer Banken sind hier nicht ausgeschlossen, sondern besetzen führende Rollen.

Lösungsansätze

1. Alternative Banken

Es geht auch anders. Hierzu gibt es alternative Banken, welche ethische, soziale und ökologische Grundsätze bei ihren Investitionen immer in den Vordergrund stellen. Auch bei der privaten Kreditvergabe achten sie sorgfältig darauf, Projekte und Unternehmen zu unterstützen, welche eine positive Gesellschaft fördern.

Eine dieser Banken ist die Alternative Bank Schweiz (ABS), bei der wir selbst sowohl privat wie auch mit Journey to Real Life ein Bankkonto besitzen. Hier sind einige Empfehlungen für Deutschland, wie für Österreich zu finden. Ich kann auch dir sehr empfehlen, den Wechsel zu einer alternativen Bank zu machen, falls du dies nicht schon getan hast.
Den Wechsel zu einer alternativen Bank kannst du sowohl mit deinem Lohnkonto, mit deinem Sparkonto, sowie auch mit deiner Pensionskasse machen.

2. Nachhaltige Anlagen

Das Geld auf dem Sparkonto kann alternativ ebenfalls für private Anlagen genutzt werden. Dies können Sachanlagen sein, welche für dich einen persönlichen Wert besitzen. Um dein Geld auch weiterhin für dich arbeiten zu lassen und einen höheren Zinssatz als jenen auf deinem Sparkonto zu geniessen, kannst du in von alternativen Banken zusammengestellte Fonds investieren. Du kannst deine Anlagen auch direkt tätigen, indem du dein Vermögen in unterstützenswerte Projekte und Unternehmen anlegst. Dazu kannst du dich in deinem Bekanntenkreis umhören.

Normalität der Wirtschaftskrisen

Tausende verlieren ihre Arbeitsstellen, Güter werden knapp und ganze Länder versinken in Schulden. In der Geschichte der Finanzwirtschaft gab es schon seit den Anfängen in einem stetigen Zyklus Wirtschaftskrisen. Aufkommende Krisen sind in unserem Geldsystem vorprogrammiert. Der Zinseszins (Zins auf verzinstes Geld) und die Schöpfung von Geld aus dem Nichts zur Vergabe neuer Kredite erschafft eine gesellschaftliche Schuldenspirale. Dies zwingt Länder, ein exponentielles wirtschaftliches Wachstum anzustreben (ein gerne genutztes Argument für viele Belange) und koppelt die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft ab, was wiederum den Nährboden für spekulative Finanzgeschäfte liefert.
Ein endloses finanzwirtschaftliches Wachstum ist in einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen jedoch nicht möglich. Deshalb entwickelt sich nach einiger Zeit der Preis von Dingen oft unabhängig vom echten Wert dieser, wodurch eine Finanzblase entsteht. Diese Blase platzt im Laufe der Zeit und führt zu einer Wirtschaftskrise.

Hier eine Illustriation, welche diesen Prozess erklärt.

crisis-cycle

Was insbesondere bei Wirtschaftskrisen auffällt, ist dass Geld nicht wirklich echt, sondern ein Symbol ist, welches genutzt wird, um Werte zu vermitteln und zu tauschen. Dieses Symbol funktioniert nur solange, wie wir daran glauben. Woran wir glauben, steht uns frei, was uns zu den Lösungsvorschlägen führt.

Lösungsansätze

3. Alternative Tausch- und Geldsysteme

Alternative Tausch- und Geldsysteme haben das Potential, uns ein Stück weit unabhängig zu machen vom Krisenzyklus unserer Finanzwirtschaft. Wir können dies schon im Jetzt innerhalb von Gemeinschaften umsetzen, indem wir mit Tauschgeschäften handeln und uns in Partnerschaften zusammentun, in denen jede Partei durch die Zusammenarbeit einen Mehrwert gewinnt. Dies zeigt sich in der Zusammenarbeit mit Projekten, wo der Glaube an unsere Beziehungsnetze weit grösser ist als der Glaube an den momentanen Wert des Geldes, sowie in der Zusammenarbeit mit der Familie oder unter Freunden.

Im Grossen wird dies in verschiedenen Teilen der Welt auch in Form alternativer lokaler Währungen umgesetzt. Wie im Beispiel des Totnes Pound in Totnes, Grossbritannien.

Diese alternativen Geldsysteme gründen auf neue Wertvorstellungen, welche unseren Umgang miteinander, mit uns selbst und mit unserer Umwelt beeinflussen. Teilen und Weitergeben anstatt Anhäufen und Horten. Genügsamkeit anstatt Gier nach Mehr. Gelassenheit und Vertrauen anstatt Existenzkampf. Freiwilligkeit anstatt Zwang und Druck. Miteinander und Unterstützung anstatt Konkurrenz und Neid.

4. Geldsystemreformen

Zudem arbeiten verschiedene Gruppierungen an Geldsystemreformen, um ein von Grund auf verändertes System herbeizuführen, welches das Ziel hat, den Menschen zu dienen. Gleichzeitig wollen sie unsere Wirtschaft krisensicherer gestalten. Diese Systeme kommen ohne Enteignung aus und streben einen friedlichen Übergang an.

Eine dieser Reformen wäre die Vollgeldinitiative, welche anstrebt, dass nur noch die Nationalbank neues Geld schöpfen kann. Eine weitere ist Gradido, welche das vermeintlich notwendige exponentielle Wachstum mit einem natürlichen vergänglichen System ersetzen möchte.

Nachhaltige finanzielle Unterstützung

Unterdrückungssysteme, wie Kolonialismus, Ölkriege und Stellvertreterkriege erschaffen und erhalten viel Ungleichheit auf unserer Welt. Sie fördern die Spaltung zwischen den Menschen, die Mittel und Ressourcen zur Verfügung haben, und jenen die wenig oder keinen Besitz haben. Viele von uns haben dadurch ein Bewusstsein für die finanzielle Unterstützung derjenigen, die einen weniger guten Zugang zu finanziellen Mitteln haben, entwickelt. Jahrzehntelange Entwicklungshilfe hat in vielen Teilen der Welt nicht zur gewünschten nachhaltigen Hilfe geführt, die sich die engagierten Organisationen und Privatpersonen erhofft hätte. Zum bekannten Spenden gibt es zwei nachhaltige Ansätze, welche ich in diesem Zusammenhang mit dir teilen möchte.

Lösungsansätze

5. Microfinance

Microfinance ist ein Weg, um mittels der Vergabe von Darlehen zur Finanzierung von Projekten und Kleinunternehmen extreme Armut zu bekämpfen. Im Jahre 2006 erhielten der Ökonome Muhammed Yunus und die Garmeen Bank den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit zur Verbreitung von Microfinance. Die Darlehen haben meist nur einen kleinen bis gar keinen Zinssatz und ermöglichen in extremer Armut lebenden Menschen, nach dem Motto «Hilfe zur Selbsthilfe», mit eigenen Unternehmungen nachhaltig auf eigenen Beinen zu stehen. Dadurch profitieren sowohl die Darlehensgeber selbst, ihre Nachfahren, sowie auch ihre lokale Gemeinschaft.

Die Non-Profit Organisation Kiva.org ermöglicht durch Ihre Internetplattform ganz einfach auch Einzelpersonen, durch Microfinance existenzsichernde Projekte zu finanzieren. Ich verwende diese Plattformen nun schon seit Jahren und habe schon einige Projekte gesehen, die in Realität umgesetzt wurden.

Hier ein Erklärungsvideo zur Armutsbekämpfung mit Microfinance.

6. Effektiver Altruismus

Eine weitere Gruppierung und Philosophie, die ich in diesem Zusammenhang erwähnen möchte, ist „Effektiver Altruismus“. Dabei geht es darum, mit dem dir zur Verfügung stehenden Einkommen, ein möglichst effektives Spendenportfolio zusammenzustellen, welches einen möglichst hohen nachhaltigen Impact auf die Welt hat.

Die Gruppierung bietet eine Beratung, um die individuell passendsten und effektivsten Spendeneinsätze zu finden.

Ich hoffe, du konntest einige Ansätze zum nachhaltigen Umgang mit Geld für dich finden.

Welche Inputs hast du zu diesem Thema? Gibt es deinerseits noch Ergänzungen oder Fragen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Grüsse
Prosper

Verwandte Artikel

4 Kommentare

  • Antworten Thierry 1. September, 2016 at 21:34

    Hallo Prosper

    Ich glaube, ich durfte dich am Bio für jede Gathering kennen lernen – du hast am Vollgeld Workshop teilgenommen, den ich geleitet habe.

    Es ist ein schöner Post der dir da gelungen ist. Wenn Du möchtest, kannst Du Dich bei mir melden, um einigen Irrtümern/Missverständnissen bewusst zu werden. Diese betreffen:

    1) Die obige Darstellung der Gelderzeugung durch Banken,
    2) die Illustration von Boom und Rezession,
    3) Microfinancing als vertretbare Entwicklungshilfe.

    Liebe Grüsse,
    Thierry

  • Antworten Katrin 29. September, 2016 at 10:05

    Ganz tolle Tipps. Vielleicht wird das dem ein oder anderen ein Stück weiterhelfen.

  • Leave a Reply